Florian Wirtz, Hugo Ekitiké, Alexander Isak: Über zu wenig Auswahl in der Offensive wird sich Liverpool-Coach Arne Slot ganz sicher nicht beklagen.
Der Transfer des schwedischen Nationalstürmers Isak, am Deadline Day für rund 144 Millionen Euro von Ligakonkurrent Newcastle losgeeist, war die Kirsche auf der ohnehin schon zuckersüßen Transfertorte des englischen Traditionsklubs. Doch für das Trainerteam bringt der Rekordsommer mitunter auch Kopfzerbrechen mit. Im positiven Sinne.
Der Traum eines jeden Fans, der am PC oder an der Konsole ein Fußball-Managerspiel zockt, ist für Slot und Co. schließlich wahr geworden. Auf dem Transfermarkt gab es für Liverpool schier keine Grenzen, auch in der Bundesliga wilderte der englische Meister mehrfach. 95 Millionen gaben die Reds für Eintracht Frankfurts Mittelstürmer Ekitiké aus, 125 Millionen für Bayer Leverkusens Wunderwaffe Wirtz (die Rekordablöse bis zum Isak-Transfer) und nebenbei nochmal 40 Millionen für dessen Mitspieler Jeremie Frimpong.
Die Konsequenz: Slot hat bei seiner Mannschaft die Qual der Wahl, muss dafür aber vor allem zwei Fragen beantworten. Wen soll er wo aufstellen? Und in welchem System?
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/09/02/image-9af0dc24-9dfb-47b4-892e-32e94be0fbf1-85-2560-1440.jpeg)
Florian Wirtz und Hugo Ekitiké - nur zwei von Liverpools Offensiv-Juwelen.
Fotocredit: Getty Images
Wo ist Platz für Isak, Wirtz und Ekitiké?
Eines vorweg: Für Frimpong scheint die Devise klar. Bei der Werkself beackerte der Außenverteidiger die rechte Seitenlinie, schaltete sich mit seiner Schnelligkeit und Offensivstärke immer wieder nach vorne ein. Ähnliches erhofft sich auch sein neuer Klub, durch den Abgang von Trent Alexander-Arnold zu Real Madrid scheint der aktuell verletzte Frimpong sein prädestinierter Nachfolger.
Auch für den Ex-Frankfurter Ekitiké schien anfangs alles klar. Zu Saisonbeginn war der Franzose im Sturmzentrum gesetzt. In allen drei Premier-League-Spielen und im Community Shield startete der Mittelstürmer auf seiner Stammposition, traf bereits dreimal und legte ein Tor auf. Doch durch den Isak-Transfer könnte sich nun einiges ändern.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/08/10/image-35850187-621a-43f2-b2df-57da97370793-85-2560-1440.jpeg)
Nach Debüt-Tor: Slot mit Lob für Neuzugang Ekitiké
Quelle: Perform
Denn auch der Schwede, hinter Liverpools Star-Stürmer Mo Salah mit 23 Treffern zweitbester Premier-League-Torschütze der Vorsaison, agiert als Mittelstürmer. Droht Ekitiké trotz gutem Start nun die Bank?
Nein. Dieser Ansicht ist der englische Eurosport-Experte Pete Sharland. "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Ekitiké auf die Bank wechseln wird", meint er: "Wir haben noch nichts von Arne Slot gehört, aber die gängigste Theorie scheint zu sein, dass Ekitiké auf die linke Seite rotieren könnte, während Wirtz und Salah auf der Zehn beziehungsweise der rechten Außenbahn spielen - und Isak im Sturm."
Weil Salah, Liverpools Premier-League-Rekordtorschütze, zu Saisonbeginn schwächelte, könnte laut Sharland aber auch das System angepasst werden:
"Ich frage mich, ob Slot vielleicht über ein System nachdenkt, bei dem Isak und Ekitiké irgendwie gemeinsam im Sturm spielen."
Erwartungshaltung bei Isak - eine Gefahr?
Dass der 25-jährige Isak als englischer Rekordtransfer gesetzt ist, scheint wahrscheinlich. Die riesige Ablösesumme bringt aber auch hohe Erwartungen mit sich, bei schwächeren Leistungen spart die britische Boulevardpresse bekanntermaßen nicht mit Kritik. Das musste auch Wirtz schon erfahren, der in seinen ersten Ligaspielen für Liverpool noch nicht zu überzeugen wusste und lediglich im Community Shield auf eine Torvorlage kam.
"Ich denke, die meisten Leute sind sich einig, dass Isak der beste Stürmer ist, den Liverpool in diesem Sommer hätte verpflichten können. Und er wird die Mannschaft sicherlich verbessern, auch wenn er viel Geld kostet", sagt Eurosport-Experte Sharland.
Laut "transfermarkt.de" bezahlte Liverpool für Isak 84 Millionen Euro mehr als Manchester City drei Jahre zuvor für Erling Haaland (60 Mio. Euro Ablöse). Die gleichaltrigen Angreifer, die beide eine BVB-Vergangenheit haben, nun miteinander zu vergleichen, erscheint Sharland aber "nicht fair". Schließlich habe Haaland eine Ausstiegsklausel gehabt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/09/02/image-bb36c03c-b76f-463d-bb32-41e00d195ad5-85-2560-1440.jpeg)
Alexander Isak.
Fotocredit: Getty Images
Kaschiert die brutale Offensive die wackelige Defensive?
Mit 1:0 setzte sich der FC Liverpool am vergangenen Wochenende gegen Vizemeister FC Arsenal durch und blieb damit als einziges Team der noch jungen Premier-League-Saison ohne Punktverlust. Dass hinten die Null stand, war dabei jedoch ein Novum. In den vorherigen drei Pflichtspielen hatten die Reds stets zwei Gegentore gefressen.
Auch deshalb diskutierten die Kritiker, dass Liverpool die Defensive im Vergleich zur Offensive bei den Transfers eher vernachlässigt habe. Eine durchaus verständliche Meinung, wie Eurosport-Experte Sharland sagt.
- Trügerischer Saisonstart: Liverpool kämpft mit Defensivproblemen
Dennoch betont er, dass der englische Meister in Rechtsverteidiger Frimpong, Linksverteidiger Milos Kerkez (46,9 Mio. Euro Ablöse) und Innenverteidiger Giovanni Leoni (31 Mio. Euro Ablöse) auch seine Defensive verstärkt habe - und in Crystal Palaces Innenverteidiger Marc Guéhi sei ein weiterer Deal am Deadline Day nur knapp gescheitert. Sharland zufolge könne dieser "entweder im Januar zu einem günstigeren Preis oder im Sommer ablösefrei zu Liverpool wechseln".
Mit ihrer brutalen Offensive könnten die Reds aktuell aber ihre Gegner "übertrumpfen, selbst wenn sie Gegentore kassieren", so Sharland. Egal, ob sich Slot nun für Isak und Ekitiké gemeinsam im Sturm oder Ekitiké auf dem linken Flügel entscheidet, egal ob Wirtz auf der Zehn oder eher auf Rechtsaußen wirbeln wird: Liverpools Gegner müssen sich gefasst machen, wohl noch mehr als vergangene Saison.
Das könnte Dich auch interessieren: Bayer-Kandidaten im Check: Spanien-Legenden und Ex-BVB-Trainer
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/09/01/image-f6c1d795-53cc-43b6-84ac-d18a123f2b5d-85-2560-1440.jpeg)
Blitzentlassung! Leverkusen trennt sich von ten Hag
Quelle: Perform